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Messer - Geschäftsbericht 2008
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Wirtschaftliche Entwicklung

Wirtschaftliches Umfeld

Die Weltwirtschaft befindet sich zum Ende des Jahres 2008 nach Untersuchungen des Internationalen Währungsfonds IMF und der OECD in einer von der Finanzkrise gekennzeichneten Ära. Die Aussichten auf ein Wachstum der Weltwirtschaft sind in den letzten Monaten des Jahres 2008 durch eine verringerte Eigenkapitaldecke des Finanzsektors und die Verunsicherung der Unternehmen und Verbraucher sowie das verlorene Vertrauen in die Banken weiter gedämpft worden. Die drohende lange Rezession hat den Konsum der Haushalte gesenkt, die Investitionsbereitschaft der Unternehmen gemindert und die Arbeitslosigkeit steigen lassen. Die faktische Schließung des Marktes für Unternehmensanleihen im September und der während des gesamten Jahres praktisch nicht mehr existierende Markt für hochverzinsliche Verbindlichkeiten sind Faktoren, die im kommenden Jahr die Refinanzierungs- und operativen Bedingungen für Unternehmen verschlechtern werden.

Eine abgeschwächte weltweite Nachfrage lässt die Rohstoffpreise sinken, allen voran der Ölpreis, der über 50 %, im Vergleich zu seinem Höchststand, gesunken ist, obwohl die OPEC die Produktion verringert hat. Dies ist ein Indikator für eine weltweite wirtschaftliche Abschwächung. Niedrigere Preise für Öl, Metalle und Lebensmittel kommen den konsumierenden Haushalten in den führenden Industrienationen und Schwellenländern zu Gute, schwächen aber auch die Wachstumsaussichten in den Schwellenländern. Trotz allem entwickelt sich aus unserer Sicht China noch besser als viele europäische Länder und die USA, inbesondere auch wegen seiner robusteren, nicht von der Finanzkrise angegriffenen finanziellen Situation.

 

Wesentliche Entwicklungen

Nachfolgend stellen wir die wesentlichen Entwicklungen und Trends für das Geschäftsjahr vom 1. Januar bis zum 31. Dezember 2008 dar.

Veränderung des Betriebsvermögens
Im Laufe des Geschäftsjahres wurden Maßnahmen zur Reduzierung des kurzfristigen Betriebsvermögens, bestehend aus Vorräten sowie Forderungen und Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, durchgeführt. Dennoch ist das kurzfristige Betriebsvermögen im Vergleich zum Vorjahr bei gestiegenen Umsatzerlösen und damit verbundenen höheren Forderungen gestiegen und beläuft sich zum 31. Dezember 2008 auf T€ 67.754 (31. Dezember 2007: T€ 58.600). Ursächlich ist neben den höheren Forderungen vor allem der im Vergleich zum Vorjahr höhere Vorratsbestand, der maßgeblich Anzahlungen und Materialien für Projekte beinhaltet. Insgesamt ist die Relation des kurzfristigen Betriebsvermögens zum Umsatz jedoch leicht angestiegen und beträgt zum 31. Dezember 2008 8,5 % (Vorjahr: 8,3 %).

Finanzierung
Die Rahmenbedingungen unserer bestehenden Finanzierung sind unverändert. Wir verweisen diesbezüglich auf unsere Erläuterungen zur Finanzlage.

Die Messer Group GmbH hat als Kreditnehmer im Januar 2009 einen neuen, unbesicherten Kreditvertrag über Mio. € 100 abgeschlossen (SFA II), der mit dem bestehenden Senior Facilities Agreement (SFA I)/Note Purchase and Guarantee Agreement (NPA) auf gleicher Rangstufe steht (pari passu). Wir verweisen diesbezüglich auf unsere Erläuterungen zu den Ereignissen nach dem Bilanzstichtag.

Investitionen
Unsere Investitionen folgen den wirtschaftlichen Grundsätzen, wonach nur in Projekte investiert wird, die unsere Produktversorgung sichern und/oder Chancen auf profitables Wachstum bieten. Seit 2007 ist unser Fokus in Europa auf den Aus- und Aufbau der Produktionsanlagen ausgerichtet, um die bestehenden Produktversorgungsengpässe und damit einhergehende hohe Zukaufquote abzubauen. In China sind wir vor allem bestrebt, die Expansionsvorhaben unserer On Site-Kunden partnerschaftlich zu begleiten. Die Investitionen, ohne Effekte aus Erstkonsolidierung, lagen im Geschäftsjahr weltweit bei Mio. € 193,1 und entsprechen damit 24,3 % des Jahresumsatzes. Im abgelaufenen Geschäftsjahr floss der größte Teil der Investitionen in die Bauprojekte von 13 Luftzerlegungsanlagen, zwei davon in Deutschland. Unsere Chancen auf profitables Wachstum haben wir durch die Anteilsaufstockung auf 85 % bei einer Gesellschaft in China und auf 100 % bei unserer türkischen Gesellschaft sowie den Erwerb der mehrheitlichen Anteile an der ASCO Carbon Dioxide Ltd., Neuseeland, genutzt.

Die Luftzerlegungsanlage in Spanien zur Sicherung des Wachstumspotenzials innerhalb des existierenden Rohrleitungsverbunds in Tarragona und des spanischen Marktes für flüssige Gase (Bulk) konnte in Betrieb genommen werden. Ebenfalls konnte die Luftzerlegungsanlage in Bosnien-Herzegowina (Zenica) erfolgreich in Betrieb genommen werden. Die Anlage deckt den aktuellen Sauerstoffbedarf für die Stahlproduktion unseres On Site-Kunden ab und ermöglicht den Ausbau unserer Position im Flüssigmarkt des Landes.

Der Bau der Luftzerlegungsanlage in Polen (Rybnik) ebenso wie die Luftzerlegungsanlagen für On Site-Kunden im deutschen Siegen, im Schweizer Kanton Wallis und in Rumänien (Resita), die so ausgelegt sind, dass jeweils neben der Versorgung des Hauptkunden zugleich der Flüssigmarkt bedient werden kann, konnte bis Ende des Jahres 2008 sichtbar voran gebracht werden. Die Inbetriebnahme aller Anlagen wird planmäßig in 2009 erfolgen. Des Weiteren fanden die Grundsteinlegungen für eine Luftzerlegungsanlage in der Türkei (Istanbul) (Inbetriebnahme 2009) und einer zweiten Luftzerlegungsanlage in Deutschland (Salzgitter) (Inbetriebnahme 2010) statt. In China wurde mit dem Bau von zwei weiteren Luftzerlegungsanlagen begonnen, um die Produktionserweiterungen unserer bestehenden Stahlkunden erfolgreich begleiten zu können. Die Inbetriebnahme beider Anlagen wird planmäßig in 2009 erfolgen. Der Bau unserer ersten Luftzerlegungsanlage für ein Stahlwerk in Vietnam schreitet, wenn auch mit Verzögerungen, voran und wird 2009 in Betrieb gehen.

Die Koordination der diversen Luftzerlegungsprojekte war eine besondere Herausforderung für die Logistik. Es galt, umfangreiche Transporte für unsere neuen Luftzerlegungsanlagen in der Schweiz, in Polen und in Rumänien, aufwendige Dokumentationen sowie zolltechnische Abwicklungen zu organisieren. Alle Komponenten trafen termingerecht auf den Baustellen ein.

In unseren Technika wurden mit Referenzkunden Verfahren entwickelt, die sich sofort im Markt einsetzen lassen. Um die Versuchsmöglichkeiten auszubauen, werden unsere technischen Kompetenzzentren in Europa und Asien stetig ausgebaut. Der Brennversuchsstand in Gumpoldskirchen wurde durch die neue Brennergeneration komplettiert. In Mitry-Mory, Frankreich, wurde das Technikum um eine Einrichtung erweitert, mit der die versuchstechnischen Möglichkeiten der Variosol-Technik deutlich erweitert werden konnten. Im Kaltmahltechnikum bei Krefeld wurde ein Unterkühler nachgerüstet, der eine noch präzisere und reproduzierbarere Verfahrensführung des Kaltmahlbetriebs ermöglicht.

Darüber hinaus wird in den Ausbau zur Abfüllung von Industriegasen investiert. So konnten in Italien (Settimo) im Rahmen einer Standortverlegung und in Deutschland (Siegen) im Rahmen des Wiedereintritts in den deutschen Markt hochmoderne Abfüllwerke in Betrieb genommen werden.

Veränderung des Konsolidierungskreises
Aufgrund des Ausbaus der Geschäftsaktivitäten in Vietnam wurden die Messer Haiphong Industrial Gases Co., Ltd. und die Messer Vietnam Industrial Gases Co., Ltd. mit Wirkung zum 1. Januar 2008 in den Konsolidierungskreis aufgenommen und voll konsolidiert.

Im Geschäftsjahr 2008 wurden die beiden deutschen Gesellschaften Messer Produktionsgesellschaft mbH Siegen und die Messer Produktionsgesellschaft mbH Salzgitter gegründet und seitdem voll konsolidiert.

Am 1. April 2008 hat die Messer Gruppe 24,97 % von einem nahestehenden Unternehmen und am 29. Dezember 2008 weitere 16,59 % der Anteile an der Foshan MS Messer Gas Co., Ltd., China erworben und hält somit 85 % der Anteile.

Mit Wirkung zum 1. September 2008 hat die Messer Gruppe die Mehrheit der Anteile an der ASCO Carbon Dioxide Ltd., Neuseeland, erworben. Damit erweitert die Messer Gruppe ihr CO2-Know-how vor allem im Bereich Produktion und Rückgewinnung von CO2. Die dafür in Neuseeland gebauten Vorrichtungen und Anlagen werden durch die Schweizer Muttergesellschaft ASCO Kohlensäure AG, an der die Messer Gruppe 2007 die Mehrheit erworben hat, vermarktet.

Im November 2008 hat Messer mit einem belgischen Partner das Joint Venture bECO2 B.V., Belgien, gegründet. Das Joint Venture, an dem Messer 70 % hält, wird ab 2010 eine Produktionsanlage betreiben, die CO2 aus der Industrieabluft zurückgewinnt und wieder verwertbar aufbereitet.

Aufgrund der Aufnahme des Geschäftsbetriebs wurde die Balti Messer OÜ., Estland, ein Produktions-Joint Venture zwischen der BLRT Gruppe und der Messer Gruppe, als assoziiertes Unternehmen in den Konzernabschluss einbezogen.

Bei den Gesellschaften Messer Aligaz Sanayi Gazlari AS, Türkei, und Messer Mostar Plin d.o.o., Bosnien-Herzegowina, wurden im Geschäftsjahr 2008 die restlichen Minderheitsanteile erworben, so dass die Messer Gruppe nun 100 % der Anteile an diesen Gesellschaften hält.

Die beiden chinesischen Gesellschaften Messer North China Industrial Gas Co., Ltd. und Messer International Trading (Shanghai) Co., Ltd. wurden im Juni 2008 liquidiert.

Zum 1. April 2008 wurde die Messer Hungarogáz Kft., Ungarn, auf ihre 100 %ige Muttergesellschaft Messer Magyarorszag Vagyonkezelö Kft., Ungarn, verschmolzen. Danach wurde die Messer Magyarorszag Vagyonkezleö Kft. in Messer Hungarogáz Kft. umbenannt. Am 31. August 2008 wurde die Messer Schweiz Verwaltungs AG, Schweiz, auf ihre 100 %ige Muttergesellschaft Messer Schweiz AG, Schweiz, verschmolzen.

 


 

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