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Messer - Geschäftsbericht 2008
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Wirtschaftliche Lage

Trotz der zum Ende des Geschäftsjahres 2008 verschlechterten wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, förderten unsere gute Marktposition in vielen Ländern und der wirtschaftliche Aufschwung in China die positive Entwicklung der Messer Gruppe. Daher konnten im Geschäftsjahr 2008 trotz der erheblichen Eintrübung der gesamtwirtschaftlichen Lage ab dem 4. Quartal 2008 die geplanten Ziele erfüllt werden.

Ertragslage

Im Geschäftsjahr 2008 erzielte der Konzern weltweit einen Umsatz von T€ 794.751, der sich wie folgt auf die einzelnen Regionen verteilt:

 

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Das Geschäftsjahr 2008 zeichnete sich erneut durch kräftig gestiegene Umsatzerlöse, begleitet von zeitweise drastisch gestiegenen Energie-, Rohstoff- und Produktbezugskosten, aus. Der Wettbewerb auf dem Industriegasemarkt war weiterhin stark. Dennoch konnten wir in allen Regionen unsere Marktpräsenz festigen und teilweise ausbauen. Die Entwicklung in den einzelnen Regionen verlief wie folgt:

Westeuropa

Im Vergleich zum Vorjahr konnte der Umsatz um 8 % gesteigert werden. Hierin ist insbesondere der Volljahreseffekt der ASCO Kohlensäure AG, Schweiz, enthalten. Die Mehrheitsanteile dieser Gesellschaft wurden im Mai 2007 erworben. Darüber hinaus wurden in 2008 die Mehrheitsanteile einer Zuliefergesellschaft der ASCO Kohlensäure AG in Neuseeland erworben. Ohne den Beitrag der beiden ASCO Gesellschaften konnte der Umsatz in Westeuropa um gut 4 % gesteigert werden.

Vor allem die Geschäftsentwicklungen in Italien und der Schweiz förderten die positive Umsatzentwicklung in Westeuropa. Zum 1. Januar 2008 nahm in Italien mit der Messer Medical S.r.l., die von Messer Italia S.p.A. ausgegliederte Gesellschaft für das Geschäft mit Medizingasen ihre Tätigkeit auf. Beide Gesellschaften bezogen im November 2008 den neuen Verwaltungsstandort inklusive des neuen Abfüllwerks in Settimo bei Turin. In der Schweiz wies das Industriegasegeschäft in allen Bereichen eine positive Entwicklung auf. Besonders hervorzuheben ist das Heliumgeschäft, welches im Gesamtjahr von dem langfristigen Liefervertrag mit der Europäischen Organisation für Kernforschung („CERN“) zur Belieferung des weltweit größten Teilchenbeschleunigers profitierte. Die Bauarbeiten für die Luftzerlegungsanlage in Visp zur Versorgung eines dort ansässigen Chemiekonzerns zuzüglich einer Flüssiggasversorgung für den schweizerischen und norditalienischen Markt schreiten planmäßig voran. In Spanien musste das Pipelinegeschäft bereits in der ersten Jahreshälfte den zeitweiligen Produktionsausfall von zwei Großkunden verkraften. Der Flüssiggasebereich war in seiner Entwicklung im letzten Quartal 2008 eingeschränkt, da die Verflüssigungskomponente, der im September ansonsten erfolgreich in Betrieb genommenen neuen Luftzerlegungsanlage in Tarragona ausfiel. Diese ist im Februar 2009  wieder in Produktion gegangen.

Zentraleuropa

Verglichen mit dem Vorjahreszeitraum konnte der Umsatz um 13 % zulegen. Diese Steigerung ist zu Teilen (6 %) durch die in den ersten neun Monaten des Jahres starken lokalen Währungen in Polen, Tschechien und der Slowakei gegenüber dem Euro bedingt.

Die stärkste Umsatzentwicklung in der Region liefert Polen. Ohne Berücksichtigung des zusätzlichen positiven Währungseffektes konnte der Umsatz um 11 % gesteigert werden. Dazu trug vor allem der Flüssiggasbereich in Vorbereitung auf die Anfang 2009 in Betrieb gehende neue Luftzerlegungsanlage in Rybnik/Oberschlesien bei. Österreich profitierte vor allem von einem starken Heliumgeschäft. Nach dem Bau des Heliumtanklagers wurde in Österreich mit der Inbetriebnahme eines 200-Tonnen-CO2-Tanks ein weiterer Schritt in Richtung Produktverfügbarkeit gegangen.

Südosteuropa

Bis zum Ende des Jahres konnte Messer an der dynamischen wirtschaftlichen Entwicklung insbesondere auf dem Balkan partizipieren. Verglichen mit dem Vorjahr wurde der Umsatz in Südosteuropa um 6 % gesteigert. Das vergleichbare Umsatzwachstum fällt mit 8 % noch etwas höher aus, wenn man die Vorjahreszahlen um die in 2007 veräußerten Geschäftsaktivitäten in Griechenland bereinigt.

Die größten Steigerungsraten konnten in Bosnien-Herzegowina, Serbien und Bulgarien verzeichnet werden. In Bosnien-Herzegowina nahm mit der Messer BH Gas d.o.o. eine neue Gesellschaft ihre Aktivitäten auf, die eine Luftzerlegungsanlage in Zenica errichtete und seit Ende des Jahres erfolgreich betreibt. Neben der langfristigen Belieferung eines Großkunden im Stahlbereich wird die Anlage den weiteren Ausbau der Marktposition von Messer in Bosnien-Herzegowina ermöglichen. Die Bauaktivitäten in Rumänien für eine Luftzerlegungsanlage in Resita zur Versorgung eines dort ansässigen Stahlwerkes zuzüglich einer Flüssiggasversorgung für den rumänischen Markt schreiten planmäßig voran. In der Türkei wurden im Februar 2008 die verbliebenen 45 % Fremdanteile an der Messer Aligaz Sanayi Gazlari AS erworben. Im Anschluss wurde die Geschäftsstrategie neu ausgerichtet, wozu u. a. im Oktober 2008 die Grundsteinlegung für eine Luftzerlegungsanlage gehört. Die Anlage soll Mitte 2009 in Betrieb genommen werden.

China

Trotz des Schneechaos im Februar und dem verheerenden Erdbeben im Mai konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahr erneut deutlich um 27 % gesteigert werden. Diese Steigerung ist zu Teilen (10 %) durch Änderungen im Konsolidierungskreis begründet.

Den stärksten Beitrag zu der Umsatzsteigerung in China lieferten die Gesellschaften in Zentralchina. Dies insbesondere durch das erfolgreiche Geschäft von Hunan Xianggang Messer Gas Products Co., Ltd. mit dem mit Abstand größten On Site-Kunde von Messer. Nach Inbetriebnahme der fünften Luftzerlegungsanlage zur Versorgung des Stahlwerkskunden Mitte 2007, der zugleich Joint Venture-Partner ist, konnte der Umsatz gegenüber dem Vorjahr allein hier um knapp Mio. € 7 (+17 %) gesteigert werden. Eine positive Entwicklung gab es auch bei den Gesellschaften in Südchina. Die im April 2008 nach Erwerb der Anteilsmehrheit neu konsolidierte Gesellschaft Foshan MS Messer Gas Co., Ltd. konnte von der zunehmenden Auslastung der zweiten Luftzerlegungsanlage sowie von gestiegenen Verkaufspreisen profitieren. Die gute Entwicklung der Gesellschaften in Ostchina ist vor allem durch ein ausgeprägt starkes Heliumgeschäft und den erfolgreichen Geschäftsausbau durch die Anfang 2007 in Betrieb genommene Luftzerlegungsanlage in einem Chemiepark in der Region Shanghai begründet.

Übrige Länder

Unsere Geschäftsaktivitäten in Peru entwickelten sich sehr positiv und konnten eine Umsatzsteigerung gegenüber dem Vorjahr von 14 % realisieren. Neben einem guten Verkauf von Flaschen- und Flüssiggasen trug hier vor allem die stetig steigende Nachfrage des On Site-Kunden aus dem Stahlbereich bei. Erst mit Ende des Jahres reduzierte sich das Abnahmeprofil des Stahlkunden deutlich aufgrund der Stahlmarktkrise. Die beiden Gesellschaften in Vietnam konnten trotz der seit Mitte 2008 deutlich verschlechterten makroökonomischen Parameter die Umsätze insbesondere im Norden des Landes deutlich gegenüber dem Vorjahr steigern. Die Bauarbeiten für die Luftzerlegungsanlage im Norden von Vietnam wurden durch die verlangsamte Errichtung des Stahlwerkes des On Site-Kunden in der zweiten Jahreshälfte verzögert, werden aber voraussichtlich bis zum 4. Quartal 2009 erfolgreich abgeschlossen sein.

Nachdem in Deutschland das vertragliche Markennutzungsverbot am 7. Mai 2008 abgelaufen war, haben wir uns mit der Messer Industriegase GmbH (vormals: Gase.de Vertriebsgesellschaft mbH) verstärkt dem Wiedereinstieg in den deutschen Markt unter dem Namen Messer gewidmet. Es hat sich gezeigt, dass die Marke „Messer“ auch nach einem vierjährigen Nutzungsverbot bei den Kunden noch positiv präsent ist. Mit zwei großen On Site-Kunden hat die deutsche Tochtergesellschaft eine solide Basis für die Zukunft geschaffen. Der Bau der beiden Luftzerlegungsanlagen bei diesen Kunden in Siegen und Salzgitter verläuft planmäßig und wird den Ausbau unserer Marktposition deutlich stärken.

Für die Messer Gruppe ergab sich im Geschäftsjahr 2008 insgesamt ein Jahresüberschuss vor Anteilen anderer Gesellschafter von T€ 45.711. Bei einem Bruttoergebnis vom Umsatz von T€ 410.597 (52 % der Umsatzerlöse) wurde ein Betriebsergebnis von T€ 79.569 (10 % der Umsatzerlöse) erzielt. Bei ungefähr gleich hohen Abwertungen auf Geschäfts- und Firmenwerte, immaterielle Vermögenswerte und das Sachanlagevermögen wie im Vorjahr liegt das Betriebsergebnis um T€ 12.182 über Vorjahresniveau. Der Gewinn vor Steuern und Anteilen anderer Gesellschafter ist hauptsächlich durch ein negatives Zinsergebnis in Höhe von T€ 21.767 belastet, das marginal durch Erträge aus assoziierten Unternehmen und Beteiligungen kompensiert werden konnte. Aus der beschriebenen Entwicklung resultierte ein Konzernjahresergebnis, nach Abzug von Minderheiten, von T€ 33.125, das somit um T€ 4.211 über dem Vorjahreswert liegt.


Vermögenslage

Die Bilanzsumme beläuft sich zum 31. Dezember 2008 auf T€ 1.649.131. Dabei macht das gesamte langfristige Vermögen analog zum Vorjahr mit 82 % den größten Anteil aus. Den größten Posten der Aktivseite bildet mit 79 % das Anlagevermögen (Sachanlagevermögen und immaterielle Vermögenswerte), das sich im Geschäftsjahr 2008 durch weitere Investitionen um 9,2 % erhöht hat. 4 % der Bilanzsumme entfallen auf Bankguthaben.

Die Eigenkapitalquote (einschließlich Anteile anderer Gesellschafter) ist mit 58 % nahezu unverändert. Die Brutto-Finanzschulden belaufen sich auf 24 % der Bilanzsumme und erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um T€ 62.388. Die Tilgung von Krediten und positive Währungseinflüsse des in US$ abgeschlossenen USPP wurden durch die Neuaufnahme von Darlehen für unsere Investitionen überkompensiert. Die Nettoverschuldung hat sich von T€ 261.611 um T€ 71.569 auf T€ 333.180 erhöht.

 

Finanzlage

Die Liquiditätslage der Messer Gruppe ist aufgrund des stabilen Cash Flows, der bestehenden und nicht ausgenutzten Kreditlinien in Höhe von Mio. € 64,5, des im Januar 2009 abgeschlossenen Kreditvertrages über Mio. € 100 (SFA II) sowie hoher Zahlungsmittelbestände ausreichend gesichert.

Kapitalflussrechnung

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Der Cash Flow aus der betrieblichen Tätigkeit lag mit T€ 141.255 um T€ 18.443 unter dem Vorjahreswert. Ursächlich für diesen Rückgang bei einem um T€ 9.929 höheren Gewinn vor Steuern ist vor allem ein aus dem operativen Geschäft gestiegener Bestand an Forderungen aus Lieferungen und Leistungen sowie sonstiger Forderungen und Vermögenswerte.

Der Mittelabfluss aus der Investitionstätigkeit ist um T€ 30.907 angestiegen. Dieser Mittelabfluss spiegelt vor allem die gestiegenen Investitionen in Sachanlagen und sonstige immaterielle Vermögensgegenstände im Umfang von T€ 186.877 im Vergleich zum Vorjahr (T€ 147.853) wider. Für den Erwerb von Anteilen von Minderheitsgesellschaftern und sonstigen Anteilen wurden T€ 4.270 (Vorjahr: T€ 25.370) investiert.

Der Cash Flow aus Finanzierungstätigkeit zeigt mit T€ 30.675 einen Mittelzufluss, nachdem im Vorjahr ein Mittelabfluss (T€ 5.994) vorlag. Dem liegt vornehmlich die gesteigerte Aufnahme von Schulden zur Finanzierung von Investitionen in das Sachanlagevermögen und in Finanzanlagen zugrunde. Die planmäßig erfolgte Tilgung von Finanzschulden wird überkompensiert. Ein Großteil der Verschuldung wurde in China aufgenommen, um das dortige Investitionsvolumen zu finanzieren.

Im Geschäftsjahr 2009 benötigen wir weiteres Kapital zur Finanzierung der stetig wachsenden operativen Geschäftstätigkeit, zur planmäßigen Durchführung von Investitionen sowie für die Rückzahlung fälliger Darlehen und Zinsen. Diese Finanzmittel werden aus dem Cash Flow der betrieblichen Tätigkeit, verfügbaren Zahlungsmitteln, der neuen Verschuldung und freien Kreditlinien generiert werden. Die gute Positionierung in den verschiedenen Märkten und der Ausbau von neuen Märkten werden es ermöglichen, die solide Entwicklung unserer Finanzlage weiter beizubehalten.


 

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