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Messer - Geschäftsbericht 2008

Special: 44 Jahre Wirtschaftsgeschichte
Gary Li koordinierte von Deutschland aus den Bau der LZA im rumänischen Resita.
Gary Li koordinierte von Deutschland aus den Bau der LZA im rumänischen Resita.

 
Einmal im Jahr treffen sich die ehemaligen Vertriebsleiter von Messer, um Kontakt untereinander zu halten und sich austauschen.
Einmal im Jahr treffen sich die ehemaligen Vertriebsleiter von Messer, um Kontakt untereinander zu halten und sich austauschen.

 
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Mitarbeiterentwicklung

Die verschiedenen Dimensionen des „Ja“

Die Unterschiede sind riesig zwischen Shanghai und Krefeld: Die chinesische Metropole zählt fast zehn Millionen Einwohner, etwa 40-mal mehr Menschen als die Stadt am Niederrhein. Doch es gibt eine Gemeinsamkeit – in beiden Städten ist Messer präsent.

Gary Li (31) heißt eigentlich Hong Wei und koordiniert von Deutschland aus den Bau der LZA im rumänischen Resita – eine große Chance und ein schwerer Schritt. Denn als das „Ja“ für Europa anstand, kam ein anderes freudiges Ereignis dazu: Garys Frau Wendy (eigentlich Zhao) war schwanger. „Das war dann schon eine schwere Entscheidung“, sagt Gary. Für den Bau des Luftzerlegers in Resita müssen Krefelder und chinesische Arbeiten perfekt ineinandergreifen. Garys Kollege Matthias Klapper (44) lebte selbst in Shanghai. Der Krefelder weiß: „Die Mentalität in der Region Shanghai ist eine völlig andere als in Deutschland“. Das Verständnis von Abläufen, Teamarbeit, Deadlines und Verhandlungen ist grundverschieden. Wo in Deutschland Kalkulationen und Genehmigungen bestimmen, setzen Chinesen auf Erfahrung. Und während das „Ja“ eines Deutschen scheinbar unverrückbar wie ein Teil einer mathematischen Gleichung feststeht, kann dasselbe „Yes“ in China eine höfliche, aber relative Zustimmung sein. Beide Mentalitäten haben Stärken. Problematisch wird es, wenn beide Dimensionen des „Ja“ in einem Projekt zusammenlaufen. Deswegen ist es so wichtig, dass wir mit Gary einen Projektmanager haben, der beide Seiten versteht“, erklärt Matthias Klapper. Und Gary bestätigt: „Der Einblick in die Arbeit in Krefeld ist mir sehr wichtig.“

DuoCondex-Wissen für Prag

Von März bis August 2008 tauschte Antonin Kroupa (31) seinen Platz in Prag mit Krefeld. Der Anwendungsingenieur bildete sich in Sachen DuoCondex fort. Und auch wenn die Industrieregion am Rhein ganz anders als die Moldau-Metropole ist, war Kroupa begeistert: „Mich interessieren Zeugnisse der Industrialisierung. Das hat die Region reichlich zu bieten“, sagt er. Doch vor allem fachlich hat der Besuch Kroupa vorangebracht. Zurück in Prag will er die DuoCondex-Anwendung in Zentral- und Osteuropa voranbringen.

Gemeinsam stark

Die Kundennähe nationaler Teams und die Stärke eines internationalen Unternehmens müssen kein Widerspruch sein: In vielen Ländern sind Anforderungen und Probleme der Kunden ähnlich und die gemeinsame Evaluation der Marktbedürfnisse bietet Absatzchancen. Darüber hinaus fördert die länderübergreifende Zusammenarbeit im Bereich der Technologieentwicklung die Nutzung von Ressourcen.

Jede branchenspezifische Fachgruppe von Messer führt jährlich ein gruppenweites Netzwerk-Treffen durch. Neben einem Schwerpunktthema, auf das der Hauptvortrag, die Schulung, der Workshop oder eine Besichtigung aufbauen, steht vor allem der Austausch zwischen den Experten, die im Markt aktiv sind, im Vordergrund.

Interkulturelle Zusammenarbeit im Anlagenbau

Mit dem Bau der Luftzerlegungsanlage in Smederevo (Serbien) begann 2005 die Zusammenarbeit mit den chinesischen Montageteams von Hangzhou Hangyang, dem Joint-Venture-Partner für den Bau von bedeutenden Produktionsanlagen. Auf den Baustellen begegnen sich seitdem die verschiedenen Kulturen – und kommen gut miteinander klar. Der Luftzerleger auf dem Gelände der Lonza AG in der Schweiz ist bereits die fünfte von Hangyang für Messer gebaute Anlage. Mit dem Verständnis füreinander wächst die reibungslose und freundschaftliche Kooperation.

Fokus auf Schlüsselkunden

Messer hat die Weichen für einen neuen Umgang mit internationalen Schlüsselkunden gestellt. Das Team Internationales Key-Account-Management (IKAM) wird zukünftig die Verantwortung für Gesamtumsatz und Deckungsbeitrag von Schlüsselkunden managen. Auf diese Weise sollen Kundenbindung und die strategischen Ziele der Messer Gruppe weiter gestärkt werden.

Das Zusammensein zählt

Seit 15 Jahren treffen sie sich einmal im Jahr – im vergangenen Sommer im malerischen Interlaken nahe der Schweizer Hauptstadt Bern. Gerd Haase aus Berlin ist einer der ehemaligen Vertriebsleiter von Messer, die den Kontakt untereinander halten und sich über alte Zeiten und neue Erfahrungen austauschen.

Im Jahr 1954 jobbte der Student Gerd Haase in der Frankfurter Messer Zentrale. Seine „Berliner Schnauze“ fiel auf, und zwei Jahre später begann er als Assistent des Handelsvertreters für Berlin, Ostdeutschland, Polen und die Tschechoslowakei. Ein Arbeitsleben lang bei einem Unternehmen zu bleiben ist aus verschiedenen Gründen eine Seltenheit geworden. „Wechseln war damals nicht üblich, die Firmen haben sich gegenseitig an Mitgliedsjahren überboten“, sagt Gerd Haase. „Nach fünfzig Dienstjahren gab es einen goldenen Ring und einen Handschlag vom Chef.“

In Interlaken ist den acht ehemaligen Vertriebsleitern die durch Hans Messer forcierte Fusion der Messer GmbH mit der Hoechst-Tochter Knapsack-Griesheim im Jahr 1964 noch immer präsent. „Plötzlich mussten wir uns am Telefon mit ‚Messer Griesheim’ melden“, erinnert sich Reinhold Hartlieb, ehemaliger Leiter der Niederlassung im süddeutschen Stuttgart, später Geschäftsführer von Messer in der Schweiz. Die Fusion zog eine mehrjährige schwierige Integrationsphase nach sich, denn es wurden zwei vollständige Unternehmen zusammengelegt, die sich zuvor als Wettbewerber viele Jahre lang im Markt bekämpft hatten. Die Gespräche werden hitzig, als es darum geht, welche Fehler hätten vermieden werden können, wenn „die Oberen damals mehr miteinander geredet“ und ein offenes Ohr für die Verbesserungsvorschläge ihrer Mitarbeiter gehabt hätten.

Die Firma an erster Stelle

Den Ehefrauen sieht man an, dass das Thema nicht zum ersten Mal die Gemüter ihrer Gatten erregt. Eine von ihnen arbeitete auch bei Messer, die anderen kümmerten sich um ihre Familien. „Wir waren eine Männersekte“, sagt Gerd Haase lächelnd, „genau wie unsere Kunden. Bei Verkaufsgesprächen rauchten wir erst eine Zigarette und tranken dann gemeinsam Kaffee. Wir kannten die Vorlieben unserer Kunden, selbst die liebste Whiskysorte.“ „Die Familie musste Opfer bringen“, fügt Traute Haase hinzu und auch die anderen Damen sind sich darüber einig, dass die Firma zu oft an erster Stelle stand. Jetzt, nach der Pensionierung, werden daher auch andere Themen gefunden, Fotos des letzten Zusammentreffens getauscht, es wird gemeinsam gelacht und die Umgebung erkundet. Reinhold Hartlieb, nach seiner letzten beruflichen Station im Alpenstaat geblieben, hat in diesem Jahr eingeladen. „Wir versuchen uns nahezubringen, was wir schön finden“, erklärt er, doch seine Liebe zu den Bergen Jungfrau, Eiger und Mönch ging bei dem gemeinsamen Ausflug im Nebel unter. Das macht aber nichts, denn das Zusammensein zählt.

 


 

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